Tierisch gute Landschaftspflege

„Wilde Weiden“ oder ganzjährige Naturweiden sind ein relativ neues aber inzwischen europaweit verbreitetes und anerkanntes Verfahren für den Naturschutz.

Seit den 1990er Jahren werden vermehrt große, robuste Herbivoren wie Rinder und Pferde zu Pflegezwecken eingesetzt. Die Grasfresser drängen einerseits durch Verbiss die unerwünschte Sukzession zurück, sorgen aber auch durch ihren Huftritt und ihr spezifisches Herdenverhalten für eine Belebung der Artenvielfalt. So stellen Ganzjahresweiden eine besonders schonende Form der Naturnutzung dar, da aufgrund der vergleichsweise geringen Weidetieredichte auch für als weideempfindlich geltende Tier- und Pflanzenarten Lebensräume geschaffen werden. Diese Art der Landschaftspflege bewirkt dadurch optimale Grundvoraussetzungen für eine bedeutsame biologische Vielfalt. In den betroffenen Gebieten entsteht eine hohe Biodiversität mit dynamischen Wechselwirkungen zwischen den integrierten Mosaik-Biotopen.

Auch wir streben ein entsprechendes Pflegekonzept durch eine gemischte Ganzjahresbeweidung mit robusten Rindern und Pferden an. Es soll eine offene bis halboffene Weidelandschaft mit unterschiedlichen kleinen Mosaiken entstehen, die sich gegenseitig positiv beeinflussen.

Dabei kann über die Herdengröße die Nutzungsintensität an die natürliche Tragfähigkeit des Areals angepasst und je nach Entwicklung flexibel nachgesteuert werden. Der in dem Gebiet integrierte Wald bietet dabei einen natürlichen Schutz und Rückzugsort für die Tiere und soll bewusst in das Konzept eingebunden werden.

Ziel der Waldweide ist im Sinne des Artenschutzes und der Landschaftspflege ein teils lichter, teils dichter Waldcharakter. Die Lagebeziehung zu der umliegenden Offenweide und das Wälzen, Suhlen sowie der Tritt durch die Einbeziehung in das Weidemanagement sollen eine Dynamik zum Wohle seltener und bedrohter Arten ermöglichen (diversifizierter Biotopverbund), ohne dass der Waldcharakter gefährdet wird. Die verwendeten Zäune sind übrigens wildgängig, so dass heimische Wildtiere durch das Vorhaben nicht verdrängt, sondern integriert werden.

Ein kontinuierliches Monitoring und eine flexible Handhabung der Herdenstärke sind ausschlaggebend für eine positive Gebietsentwicklung. Bei Bedarf können manuelle, ergänzende Pflegemaßnahmen notwendig werden, die an sich aber keinen Widerspruch, sondern eine Ergänzung des naturnahen Weidesystems darstellen.

Wir vertrauen der Natur und der ihr eigenen Dynamik. Daher soll die Landschaft durch möglichst wenige Eingriffe einer minimal invasiven Entwicklung sich selbst überlassen werden. Dennoch stellen bereits die anfänglichen Maßnahmen sowie die Beweidung an sich elementare Eingriffe in die Gebietsentwicklung dar. Ein gezieltes und regelmäßiges Monitoring wird somit einen wichtigen Beitrag für den Erfolg der Maßnahmen leisten müssen. Gegebenenfalls werden gezielte Maßnahmen definiert, um bei unerwünschten Entwicklungen nachzujustieren:

Monitoring zum Zweck der Überprüfung von …

  • … der Entwicklung der Vegetation auf den abgeschobenen Flächen und im Pingo

  • … der Entwicklung der Kleingewässer

  • … der Besiedlung der Gewässer mit Amphibien (Knoblauchkröte, Kreuzkröte, Moorfrosch, Kleiner Wasserfrosch)

  • … der Grünlandentwicklung und Anpassung der Nutzungsintensität, Ableitung der Notwendigkeit von Weidepflege in Bereichen hochwertiger Biotopstrukturen

  • … einer Eingriffsnotwendigkeit bezüglich der späten Traubenkirsche

  • … der Entwicklung der Wasserverhältnisse, ggfs. Änderung der Gräben

Es werden folgende Maßnahmen angestrebt:

  • Regelmäßige Durchführung von Effizienzkontrollen in enger Absprache mit der UNB (vornehmlich durch Inaugenscheinnahme bei Gebietsbegehungen)
  • Enge Unterstützung durch die NABU Station Ostfriesland
  • Einbeziehung des Monitoring im Naturschutzgebiet Schwarzes Meer
  • Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen (z.B. Uni Oldenburg)
  • Kooperation mit der GEW zwecks Dokumentation der Einflüsse auf die Trinkwassergewinnung

„Zurück zur Natur!“

– Jean-Jacques Rousseau